Eine Sammlung, vier Gravitationszentren: C–D–E–F–G–G♯–A–B als chromatisches harmonisches Feld
Tonale, jazztheoretische, lydisch-chromatische, flamencobezogene und transformationelle Studie von C–D–E–F–G–G♯–A–B als Achttongfeld.
Veroffentlicht 31.08.2026, 08:00
Tonale, jazztheoretische, lydisch-chromatische, flamencobezogene und transformationelle Studie von C–D–E–F–G–G♯–A–B als Achttongfeld.
Zusammenfassung. Untersucht werden die acht Tonklassen C–D–E–F–G–G♯–A–B; das oktavierte C ist keine neunte Klasse. Die Sammlung vereinigt C-Dur plus G♯, A natürlich und harmonisch Moll, E-Phrygisch und phrygisch-dominant sowie – mit A♭ statt G♯ – F-Lydisch und George Russells F Lydian Diminished.
These. Die präziseste Deutung ist keine „exotische C-Skala“, sondern ein chromatisches harmonisches Achttongfeld. Der Vorrat bleibt konstant; seine Identität entsteht aus Zentrum, Schreibweise, Bass, Kadenz, Register und Stimmführung.
- 1. Begriffe und Methode
- 2. Tonklassen- und Intervallanalyse
- 3. Mehrere tonale Zentren
- 4. Klassisch-tonale Deutung
- 5. Jazzharmonische Deutung
- 6. George Russell und lydische tonale Gravitation
- 7. Flamenco und andalusisch-phrygisches Hören
- 8. Kontextabhängige Tonidentität
- 9. Transformation und Stimmführung
- 10. Vergleichende Theoriematrix
- 11. Wege für Komposition und Improvisation
- 12. Schluss und Bibliografie
1. Begriffe und Methode
Eine Sammlung ist ein Vorrat, eine Skala dessen Ordnung, ein Modus verlangt Zentrum und Verhalten. G♯ und A♭ klingen gleich, bezeichnen aber gerichtete Beziehungen: G♯ steigt meist nach A, A♭ kann die Mollterz von F sein.
2. Tonklassen- und Intervallanalyse
Für C = 0 gilt S = {0,2,4,5,7,8,9,11}: Forte-Klasse 8-26, Primform (0,1,2,4,5,7,9,10), Vektor ⟨4,5,6,5,6,2⟩ und Inversion I4. Enthalten sind C+, G♯°7, C/E/F/G-Dur, D/ E/F/A-Moll sowie Cmaj7, E7, G7, Am7 und Bm7♭5.
3. Mehrere tonale Zentren
Über C bedeutet G–G♯–A 5–♯5–6; über F wird G–A♭–A zu 2–♭3–3; über A ist G/G♯ die ♭7/7; über E die ♭3/3. Bass, Kadenz, Dauer und Register entscheiden.
| Zentrum | Schreibweise | Stufe/Funktion |
|---|---|---|
| C | G♯ | ♯5 / chromatische Annäherung an 6 |
| F | A♭ | ♭3 gegenüber lydischer Terz |
| A | G♯ | 7 / Leitton |
| E | G♯ | 3 gegenüber phrygischer ♭3 |
4. Klassisch-tonale Deutung
Klassische Tonalität deutet G♯ als Alteration, Leitton zu A, Terz von E7 = V7/vi, Grundton von G♯°7 oder übermäßige Quinte von C+. C–C+–Am hält C/E und führt G–G♯–A. In A vereinigt der Vorrat natürliches und harmonisches Moll.
5. Jazzharmonische Deutung
Im Jazz wird für jeden Akkord eine passende Schicht gewählt. Cmaj7, Cmaj7♯5, C+, Dm7, E7, E7♭9, G7, G7♭9, G♯°7, Am7 und Bm7♭5 sind enthalten; dennoch ist nicht jeder Feldton über jedem Akkord verfügbar.
6. George Russell und lydische tonale Gravitation
Russells F Lydian Diminished lautet F–G–A♭–B–C–D–E (1–2–♭3–♯4–5–6–7), nicht symmetrisch-vermindert. Seine Überlagerung mit F-Lydisch ergibt das Achttongfeld; Russell benennt diese Vereinigung jedoch nicht als eigene Principal Scale.
7. Flamenco und andalusisch-phrygisches Hören
In E wechseln G und G♯ zwischen Moll- und Durterz. F→E, E–F–E und Am–G–F–E können auf einer phrygischen E-Tonika schließen. Flamenco ist nicht auf „phrygisch dominant“ reduzierbar: Palo, Compás, Gitarre, Melodik und Intonation gehören zur Praxis.
8. Kontextabhängige Tonidentität
G–G♯–A fungiert als 5–♯5–6 in C, ♭7–7–1 in A und ♭3–3–4 in E; G–A♭–A als 2–♭3–3 in F. Tonidentität ist kontextuell.
9. Transformation und Stimmführung
C→C+→Am bewegt eine Stimme; E7→Am löst G♯→A und D→C; G♯°7→Am zusätzlich B→C und F→E. F→E verschiebt alle drei Stimmen um einen Halbton, G7→C löst B→C und F→E.
10. Vergleichende Theoriematrix
Tonale Theorie erklärt Funktion, Jazz lokale Ressourcen, Russell lydische Gravitation, Flamenco modale Finalität auf E. Die gemeinsamen Teilmengen sind real, ihre Syntax nicht identisch.
| Framework | Center | Chromatic identity | Principle | Limit |
|---|---|---|---|---|
| Classical tonal | C / A | G♯: ♯5, V/vi, leading tone | Function and counterpoint | No normal eight-note tonic scale |
| Jazz | Chord-local | G♯ or A♭ follows chord symbol | Chord-scale fit and reharmonization | May fragment long-range centricity |
| Lydian Chromatic Concept | F | A/A♭: 3/♭3 | Lydian tonal gravity | The union is not a named Russell scale |
| Flamenco/modal | E | G/G♯: ♭3/3 | Phrygian final and modal inflection | Pitch alone cannot encode palo or compás |
11. Wege für Komposition und Improvisation
Ein Weg lautet Cmaj7–E7–Am7–Dm7–G7–Cmaj7 → Cmaj7♯5 → Fmaj13♯11–Fm(maj13♯11) → Am–G–F–E → G♯°7–Am–Dm7–G7–Cmaj7. Das Netz enthält nur siebentönige KeyScales aus dem Vorrat.
12. Schluss und Bibliografie
Am präzisesten ist die ausdrücklich analytische Bezeichnung chromatisches C–F–A–E-Feld, kein historischer Skalenname. Die Beziehungen sind strukturell; Funktion verlangt hörbare Zentrierung.
Quellen. George Russell, Lydian Chromatic Concept of Tonal Organization (2001); Allen Forte, The Structure of Atonal Music (1973); Richard Cohn, Audacious Euphony (2012); Peter Manuel, “Evolution and Structure in Flamenco Harmony” and Flamenco Music (2023); Michael McClimon; Steven Rings. Russell’s scale names are documented; „C–F–A–E-Feld“ ist die hier vorgeschlagene analytische Synthese.